Alltag ist…ein Kebab mit ohne Liebe

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Ein Kebab mit ohne Liebe. Der echte Wiener ging seinerseits zum Würstelstand und bestellte „a Eitrige mit an Buckel“. Und er meinte damit nicht die in die Jahre gekommene Hilfskraft des Inhabers, die damals an einer Mittelohrentzündung litt, sondern seine Lieblingsmahlzeit für zwischendurch. Das moderne Pendant dazu ist der Kebabstand, an dem sich ebenfalls eine sehr eigentümliche Sprache entwickelt hat. Man bestellt „ein Kebab mit alles“, oder „mit alles ohne…scharf, zum Beispiel.“ Wie ich. Ein Kebab mit alles ohne scharf. Ich bestelle das auch so, auch wenn mir insgeheim klar ist, dass da irgendetwas nicht ganz Sinn macht. Ich gehe ja auch nicht zum Bäcker und sage: „Ich hätte gern drei Semmeln, aber geben’s mir nur 2.“ Wie auch immer. Ich finde diese sprachlichen Besonderheiten an städtischen Fastfoodstandeln sehr liebenswürdig. Und ganz anders als viele meiner Mitmenschen halte ich das Schwinden des Monopols für klassische Würstelstände nicht für einen Skandal. Im Gegenteil, ich sehe darin eine Bereicherung und Erweiterung meines nächtlichen Heißhungermenüplans. Ich gehe ja trotzdem noch zum Würstelstand auf eine Eitrige. Aber als Nachspeise hol ich mir dann ein Kebab mit ohne alles und vielleicht noch Nudeln vom Chinesen zum Einschlafen. Nur Happy Noodles natürlich. Traurige schlagen sich auf den Magen…
Ein guter Freund von mir bestellt beim Kebabstand seit jeher: „mit alles ohne Zwiebel“ und wird dafür regelmäßig sehr skeptisch betrachtet. Ein Standbesitzer meinte unlängst einmal: „Vegetarisch gibt’s Falafel.“ Mein Freund darauf: „Nein, nein, ich esse eh Fleisch, nur die Zwiebel will ich nicht.“ Der Mann war fassungslos und sah mich ratlos hilfesuchend an. Ich zuckte auch nur meine Schultern und deutete ihm, dass ich seine Verwunderung durchaus verstand und teilte, ich den Bestellenden aber schon gut genug kannte, um zu wissen, dass er sich nicht mehr ändern werden würde. Er bekam sein perverses Kebab. Nun ist besagter Freund auch auf der Suche nach einer Frau. Und da ihm durchaus bewusst ist, welch ungewöhnlichen Geschmack er besitzt, ist er fest davon überzeugt, dass seine Traumfrau, diesen mit ihm teilt. Und deswegen ist die erste Frage, die er jeder Frau stellt, die er neu kennenlernt: „WIE ISST DU DEIN KEBAB??“ „Und wie heißt du eigentlich?“ (ich schwöre es Ihnen, genau diese Reihenfolge!) Bis jetzt hat noch keine angebissen. Die meisten sind verwundert und verschreckt und flüchten sofort. Die wenigen, die bleiben, sind spätestens dann entsetzt, wenn sie erfahren, dass er sein Kebab ohne Zwiebel isst…So findest du sie nie Michi, iss doch die Scheiss Zwiebel… (rosa)

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