Alltag ist…süßsauer

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Alltag ist süßsauer. Gestern war Halloween. In unseren Breitengraden wird dieses Fest immer noch sehr argwöhnisch betrachtet. Die älteren Generationen halten es für eine billige Kopie des in ländlichen Kreisen so beliebten Perchtenlaufs, bei dem kleine Kinder geschlagen und verängstigt werden. Zu Halloween bekommen die Kinder stattdessen Süßigkeiten, und das gefällt ihnen nicht. Ich finde die Kritik an Halloween aus konservativen Kreisen etwas seltsam, denn gerade in unseren biblischen Festen wimmelt es doch nur so vor Geistern und Untoten. Warum dürfen die nichts Süßes essen? Aber gut. Die etwas jüngeren, aber doch auch schon in die Jahre gekommenen Mitbürger, finden sowieso alles Neumodische unnötig und stehen dem Ganzen mit der gewohnt gleichgültigen Ablehnung gegenüber. Den allerjüngsten Erwachsenen ist es egal, solange sie ein weiteres Motto für ihre Themenpartys haben und heute mal verkleidet saufen können. Die einzigen, die sich wirklich freuen, sind die Kinder. Denn sie verkleiden sich so gruselig wie sie nur können und gehen auf die Suche nach Süßem. Nach Schokolade. Nach Zucker. Und nach einem kleinen bisschen Selbstständigkeit. Immerhin sind die Süßigkeiten, die heute ersammelt werden, ein wenig selbstverdient. Manche Kinder haben aufwendige Kostüme, mit Knochen am Körper und Kürbisen auf dem Kopf. Andere Kinder haben den Kürbis von Natur aus auf dem Kopf und brauchen sich daher nur mehr geringfügig verkleiden. An diesem Tag sind sie die Helden. Nachdem ich früher selbst mit meinem Kürbiskopf unterwegs war und gesammelt habe, richte ich auch immer etwas für die Kinder her. Auf die Frage: „Süßes oder Saures?“, gebe ich ihnen dann Limetten und Zitronen und erfreue mich an ihren perplexen Gesichtern, ehe sie dann eh auch noch was Süßes bekommen.
Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, ich schrecke die Kleinen ein bisschen und habe mich selbst verkleidet. Zerfetztes Gewand, spitze Schuhe, Knochenhände, die hässlichste und furchterregendste Maske, und eine Sense. Wenn sie heute läuten, werden sie zu kreischen beginnen, bevor sie noch ihr Sprücherl aufsagen können.
Es ist 18 Uhr und ich warte, keiner kommt. 18:30 Uhr, noch immer ist keiner da. 19:00 Uhr, ich beginne meine Süßigkeiten selbst zu essen. Zuerst die kleinen. 19:30 Uhr, jetzt die großen, da kommt wohl keiner mehr. 20:00 Uhr, mittlerweile esse ich auch die Notration an abgelaufenen Süßigkeiten, die ich für den Fall der Fälle vorbereitet hatte. 20:30 Uhr, mir ist schlecht. Und gerade, als ich den letzten verbliebenen schon völlig eingetrockneten Gummifrosch in den Mund stecken will, LÄUTET ES AN DER TÜR. Ich verhalte mich still. Ich schleiche zu Tür. Ich bereite mich vor, nehme meine Sense, setze die Maske auf, atme tief ein, reisse die Tür auf und schreie so laut ich kann: „WUUAAAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!!“
Vor mir steht meine Nachbarin. Sie sieht mich verwundert an und sagt: „Ähm, könnte ich mir Milch von Ihnen ausborgen? Meine ist hin.“ Sie wollte nichts Süßes, ihre Milch war sauer… (rosa)

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