Alltag ist…Klimaverwirrt

Klimaverwirrte

Ein ganz normaler Wintertag in Wien. Ich stehe an der U4 Station Längenfeldgasse und warte mit etlichen anderen Klimaverwirrten auf den Zug Richtung Heiligenstadt. Es hat überraschende 15 Grad und die Menschen hier sind sich uneinig, wie sie kleidungstechnisch damit umgehen sollen. Viele haben trotz der milden Temperaturen dicke Wintermäntel an, samt Schals und Hauben. Denn eigentlich ist ja Winter. Und es könnte ja abends kalt werden. Und die Mama hat einst gesagt, im Jänner zieht man sich warm an. Damals war es auch noch kalt. Auf der anderen Seite des Spektrums befinden sich einige vorfreudige Frühlingsaktivisten, die mit kurzer Hose und Tanktops dastehen, und sich gegenseitig beim Frösteln zusehen. Ihre Gänsehaut ist sogar einige Meter entfernt noch gut sichtbar. Zugeben, dass ihnen kalt ist, würden die jungen halbstarken mit ihren Sonnenbrillen aber nie. Sie kaufen heftig Kaugummi, und nicken exzessiv zu ihrer Musik, um sich warm zu halten. An ihren in Flip Flops steckenden blauen Füßen ist die Wahrheit aber deutlich zu erkennen. Einer von ihnen trägt entweder blaue Flip Flops, oder ist gar barfuß unterwegs. Der Zug fährt nun ein, die Fahrgäste steigen aus und ein. Ich mit ihnen. Das vorherrschende Thema ist auch hier das Wetter. Einigen ist heiß. Anderen kalt. Manchen ist es egal. Aber das mit der Klimaerwärmung kann nicht stimmen, denn Mitte Jänner hat es 3 Tage unter Null Grad gegeben. Bei solchen Bemerkungen wird mir auch immer warm, egal was ich anhabe. Ich schaue zu den Frühlingsaktivisten hinüber. Ihre rosafarbenen Gesichter sind ein Zeichen dafür, dass sie aufzutauen beginnen. Sie reiben still an ihren gefrorenen Zehen. Ein versöhnlicher Anblick. Bei der nächsten Station verlassen sie den Zug und marschieren Richtung H&M. Socken kaufen wahrscheinlich. Während ich ihnen noch nachsehe, setzt sich jemand gegenüber von mir hin. Es ist eine Frau. Sie ist für die Wetterverhältnisse heute perfekt bekleidet. Ihre Jeans haben dieselbe Farbe wie ihre Augen, ihre leichte wasserfeste Jacke ist offen und aus ihren Seitentaschen blitzen Handschuhe hervor. Dünne! Sie ist angepasst, aber vorbereitet. Eine tolle Frau. Hübsch und wetterintelligent. Ich überlege, was ich zu ihr sagen könnte. Schöner Wintertag, hm? Oder humorvoller: Schöner Frühlingstag, hm? Sie sieht mich nun an, da auch ich sie schon seit gefühlten Stunden ansehe. Ich sage: Schöner Winterfrühlingstag, hm? Sie lächelt und antwortet: Ja, ich liebe die Klimaerwärmung, Sie nicht? (rosa)

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